Designerinnen im Interior Design
- Michaela Schacher
- 8. März
- 4 Min. Lesezeit
Diese 5 Designerinnen haben Möbelklassiker geschaffen – doch ihre Geschichten werden selten erzählt.

Wenn wir über berühmte Designklassiker sprechen, fallen oft bekannte Namen der Designgeschichte. Doch hinter vielen Möbeln, die heute als Ikonen gelten, stehen Frauen, deren Beitrag lange weniger sichtbar war.
Viele dieser Designerinnen haben mit neuen Materialien experimentiert, radikale Ideen entwickelt und unsere Vorstellung von modernem Wohnen geprägt. Ihre Entwürfe stehen heute in Museen, Designsammlungen und Wohnräumen auf der ganzen Welt.
Und trotzdem wurden ihre Namen in der Designgeschichte oft erst später wirklich gewürdigt.
Als Interior Designerin finde ich es deshalb besonders wichtig, über diese Frauen und ihre Werke zu sprechen. Denn ihre Entwürfe haben Räume verändert – und damit auch die Art, wie wir wohnen, arbeiten und leben.
Der Weltfrauentag ist eine schöne Gelegenheit, genau diese Designerinnen ins Licht zu rücken.
Ray Eames – Die kreative Kraft hinter vielen Designikonen
Die Designerin Ray Eames gehört zu den prägendsten Gestalterinnen des 20. Jahrhunderts. Gemeinsam mit Ehemann Charles Eames entwickelte sie Möbel, die heute zu den bekanntesten Designklassikern zählen.
Ihr berühmtester Entwurf ist der Eames Lounge Chair – ein Sessel, der Komfort, Eleganz und Handwerkskunst verbindet. Er entstand 1956 und verbindet industrielle Produktion mit handwerklicher Qualität. Die Kombination aus geformtem Sperrholz und Lederpolsterung war damals revolutionär. Bis heute gilt der Sessel als eines der bedeutendsten Möbelstücke des 20. Jahrhunderts.
Wer sich intensiver mit den Arbeiten des Eames Studios beschäftigt, merkt schnell: Ray Eames brachte eine besondere Sensibilität für Farben, Materialien und Komposition ein. Viele Designhistoriker sehen sie als die kreative Kraft hinter der visuellen Sprache des Eames Studios.
Charlotte Perriand – Eine Pionierin der modernen Wohnkultur
Die französische Designerin Charlotte Perriand prägte die moderne Architektur und Möbelgestaltung entscheidend.
Bereits mit 24 Jahren entwarf sie die berühmte Bar sous le toit, eine futuristische Aluminium-Barinstallation, die sofort Aufmerksamkeit in der Pariser Designszene erregte. Kurz darauf begann ihre Zusammenarbeit mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret.
Lange Zeit wurden viele Möbel hauptsächlich Le Corbusier zugeschrieben – heute weiss man, dass Perriand massgeblich an diesen Entwürfen beteiligt war.
Die LC4 Chaise Longue ist eines der berühmtesten Möbelstücke der Moderne.
Der Entwurf entstand in Zusammenarbeit mit Le Corbusier und Pierre Jeanneret.
Die geschwungene Form folgt der natürlichen Haltung des Körpers. Das Möbelstück war Teil einer Serie von Stahlrohrmöbeln, die das moderne Wohnen neu definieren sollten.
„The extension of the art of dwelling is the art of living.“- Charlotte Perriand
Florence Knoll – Die Architektin moderner Innenräume
Florence Knoll war Architektin, Designerin und eine der wichtigsten Gestalterinnen moderner Arbeitswelten.
Sie studierte Architektur unter anderem bei Walter Gropius und Marcel Breuer und brachte diese architektonische Denkweise später in das Interior Design ein. Für sie war Gestaltung nie nur Dekoration – Räume sollten strukturiert, funktional und klar geplant sein.

Bei Knoll entwickelte sie das Konzept des „Total Design“: Architektur, Möbel, Materialien und Licht wurden als ganzheitliches Raumkonzept gedacht.
In einer Zeit, in der die Designwelt stark von Männern geprägt war, setzte Florence Knoll ihre Ideen mit beeindruckender Klarheit durch.
Das Florence Knoll Sofa gehört zu den bekanntesten Entwürfen von Florence Knoll. Der Klassiker von 1954 zeichnet sich durch klare Linien, präzise Proportionen und ein filigranes Stahlgestell aus. Ursprünglich entwarf Florence Knoll das Sofa für ein Interior-Projekt, weil sie kein Möbel fand, das zu ihrer architektonischen Raumgestaltung passte.
„I designed the pieces I needed for a project.“— Florence Knoll
Bis heute gilt das Sofa als zeitloser Klassiker des modernen Designs.
Die Möbel von Florence Knoll zeichnen sich durch klare Linien, präzise Proportionen und zeitlose Eleganz aus. Viele ihrer Entwürfe werden bis heute produziert und gelten als Klassiker des modernen Designs.
Eileen Gray – Visionärin der Moderne
Die irische Designerin Eileen Gray gehört zu den faszinierendsten Gestalterinnen der Moderne.
Ihre Karriere begann sie zunächst als Künstlerin und Designerin für aufwendige Lackarbeiten und Paravents, bevor sie sich zunehmend dem Möbeldesign und der Architektur widmete. In ihren Entwürfen verband sie Eleganz mit funktionalen Lösungen – eine Haltung, die damals noch ungewöhnlich war.
Besonders bekannt wurde sie durch ihr Haus E-1027 an der französischen Riviera. Das Gebäude gilt heute als ein Meisterwerk moderner Architektur und zeigt, wie eng Gray Architektur und Möbeldesign miteinander dachte.
Der E-1027 table wurde ursprünglich für ihr eigenes Haus entworfen. Durch seine höhenverstellbare Konstruktion lässt er sich flexibel über Sofa oder Bett schieben – ein elegantes Beispiel dafür, wie Gray Funktionalität und Ästhetik miteinander verband.
Heute gilt der Tisch als einer der wichtigsten Klassiker des modernen Möbeldesigns.
Patricia Urquiola – Emotion und Innovation im zeitgenössischen Design
Patricia Urquiola gehört zu den einflussreichsten Designerinnen unserer Zeit. Geboren in Spanien, studierte sie Architektur und Design am Politecnico di Milano, einem der wichtigsten Designzentren Europas.
Dort arbeitete sie mit bedeutenden Designern wie Achille Castiglioni zusammen. Diese Zeit prägte ihren offenen und experimentellen Zugang zum Design.
2001 gründete sie ihr eigenes Studio in Mailand. Seitdem entwirft sie Möbel, Architekturprojekte und Interior Konzepte für internationale Marken wie B&B Italia, Moroso und Cassina.
Heute ist sie zudem Creative Director bei Cassina, wo sie ganze Möbel-kollektionen kuratiert und weiterentwickelt. Damit prägt sie nicht nur einzelne Möbelstücke, sondern auch die kreative Richtung einer der wichtigsten Designmarken der Welt.
Typisch für ihre Arbeit ist die Verbindung von Materialforschung, Handwerk und emotionaler Gestaltung. Viele ihrer Möbel wirken weich, einladend und fast organisch – ein bewusster Kontrast zu streng minimalistischen Designtraditionen.
„Design should surprise, excite and make people smile.“— Patricia Urquiola
Der Husk Chair für B&B Italia zeigt diese Philosophie besonders schön. Die gepolsterte Schalenform und die segmentierten Kissen sorgen für Komfort und eine einladende Ästhetik.
Der Sessel verbindet innovative Materialien mit einer warmen, menschlichen Gestaltung – ein typisches Merkmal vieler Entwürfe von Patricia Urquiola.
Warum es wichtig ist, über diese Designerinnen zu sprechen
Viele Möbelklassiker der Designgeschichte wurden von Frauen mitentwickelt oder geprägt. Trotzdem sind ihre Namen oft weniger präsent als die ihrer männlichen Kollegen.
Gerade deshalb lohnt es sich, diese Werke und ihre Geschichten immer wieder sichtbar zu machen.
Doch die Designgeschichte endet natürlich nicht bei den Klassikern. Auch heute prägen viele Designerinnen die internationale Möbel- und Interiorwelt. Namen wie India Mahdavi, Faye Toogood oder Sabine Marcelis zeigen, wie vielfältig und innovativ zeitgenössisches Design sein kann.
Ihre Arbeiten stehen für neue Materialien, mutige Formen und eine frische Perspektive auf Räume.
Für mich als Interior Designerin ist es deshalb wichtig, nicht nur über die grossen Klassiker zu sprechen, sondern auch über die bemerkenswerten Designerinnen der Gegenwart.
Denn Designgeschichte wird nicht nur geschrieben – sie entwickelt sich ständig weiter. Und viele der spannendsten Impulse kommen auch heute von Frauen.


























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